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Der goldene Fond der Methodik
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Über die Arbeitsamkeit und den Gehorsam
23. 09. 2009
Unser netter Korrespondent Big Coach hat bei einem meiner Texte meine Aussage aus dem Jahre 2006 vor der Weltmeisterschaft erinnert, in dem stand: „Das auf die Abwehr gezielte Training verlief ausgezeichnet: Die Mittelblocker haben gut blockiert, in der Feldabwehr hat sich vor Allem Hudecek sehr gut verhalten, Obdrzalek hat gut gesichert. Meine Euphorie hat sofort die Gedanke verdorben: So hat es in den Zeiten von Velasco, Rerabek und Tillie bestimmt auch angefangen…, wann hat sich das wohl verändert, dass es dann erfolglos und mit der Respektverlust der Spieler dem Trainer gegenüber beendet hat? Ich versuche es zu verfolgen, trotzdem hoffe ich heimlich, dass es anders wird…..“, Big Coach hat mich vor kurzer Zeit ungefähr so gefragt: „Also, Herr Hanik, war es im Jahre 2009 anders?“ Meine Antwort ist: JA, es war anders, in den Jahren 2006 – 2009 habe ich mit der Nationalmannschaft eine gute Erfahrung gemacht und ich denke überhaupt nicht, dass diese Mannschaft ganz umgebaut werden soll. Es gab allerdings Erscheinung, von denen auch Velasco, Rerabek und Tillie gewusst habe, die Erscheinung hatte ich immer unter Kontrolle, weil ich die tschechische Volleyballumgebung und die tschechische Mentalität gut kenne. Für die endgültige Lösung dieser Erscheinungen bräuchte ich allerdings langfristige Unterstützung und die hatte ich nicht. Ich sage ehrlich, dass ich kein Messias bin und gebe zu, dass ein anderer Trainer es besser machen könnte. Ich würde kein Katastrophen-Scenario nach der misslungenen Europameisterschaft planen, denn wir haben uns als eine der acht Mannschaften Europas auf die Weltmeisterschaft qualifizieren können. Das muss man nach den erfolglosen Jahren als Erfolg beurteilen. Und es geht dabei nicht um mich, die Jungs haben es geschafft, sie können doch nicht schlecht sein. Also Big, meine Erfahrung war gut, die Arbeit war interessant, die Mannschaft mochte ich sehr, nur von der Quali bis Varna hatte ich keine Lösung mehr, und wenn ich von einem Teil der Gesellschaft nicht wünschenswert bin, laufe ich davon weg. Ich stehe nicht so gern als Hindernis im Weg, dafür respektiere ich mich zu viel.
Ich glaube allerdings, dass deine zweite Frage noch interessanter war. Du zitierst Ales Novak:“ …Zdenek Hanik wirft mir vor, dass ich mir für meine Mannschaft nur brave Girls, die arbeitswillig und nett sind., dass in der Mannschaft eine kontroverse Persönlichkeit fehlt, die den Trainer, Funktionäre und Mitspielerinnen nicht in Ruhe schlaffen läßt. Deine Frage war: „Fehlen diese Spieler auch in der Nationalmannschaft nicht? Ich versuche es von Anfang an zu erklären. Zuerst die ARBEITSAMKEIT und dann DER GEHORSAM. Die Mehrheit von den Spielern in der Nationalmannschaft ist arbeitswillige und verantwortungsvolle Menschen. Konecny, Hudecek, Krystof, Stokr, Vesely, Kral, Vaclavik, Boula, Skach, Holubec, Sobotka. Denen kann man wegen der Trainingswille überhaupt nichts vorwerfen und das unter allen Bedingungen. Also arbeitswillige Spieler fehlen in der Nationalmannschaft wirklich nicht. Dann ist hier eine Kategorie von Spielern, die prinzipiell arbeitswillig sind, aber sie ignorieren bestimmte Tätigkeiten oder Spielsituationen, die sie für nicht so wichtig halten. Das disqualifiziert sie zwar aus der Sicht der absoluten Weltklassespieler, sie kompensieren es allerdings durch ihre Vorteile in ihren Haupttätigkeiten. Zum Beispiel Tichacek und Popelka lieben überhaupt nicht das Feldabwehrspiel, Marek Novotny ist nicht anpassungsfähig, wenn Spielsituationen trainiert werden, wo absolute Konzentration auf das Team gefordert wird. Das Ergebnis ist, dass Tichacek und Popelka vier Punkte pro Spiel wegen einem schlechten Feldabwehrspiel verlieren oder das Team verliert der entscheidende Punkt wegen der Disziplinlosigkeit von Marek Novotny. Tichacek ist dagegen seit drei Jahren der beste tschechische Zuspieler der Nationalmannschaft. Popelka hat in der Nationalmannschaft besser gespielt als im Verein und konnte sich immer gut auf die Schlüsselspiele vorbereiten und Marek Novotny kann alleine die Spiele entscheiden, wenn er Lust hat zu spielen und er liebt die Spielsituationen, wo andere Spieler schon volle Hosen von Angst haben. So sah es nämlich beim fünften Satz in Varna gegen Portugal. Also, ich bin nicht froh über diese Erscheinungen, ich ärgere mich, aber ich bin eigentlich machtlos sie zu verändern und deshalb versuche ich bei diesen Spielern ihre Vorteile auszunutzen. Dann sind hier Spieler wie Lebl. Der ist nicht arbeitswillig. Er hat allerdings als Spieler Vorteile, die kein anderer Spieler in der Nationalmannschaft hat. Er ist ein typischer Spielführer mit einer natürlichen Autorität bei den anderen Spielern, ist ein wahrer Partner für den Trainer mit einer sachlichen und ausgereiften Argumentation, er ist fähig, seine Interesse für das Team zu opfern. Das Spiel sieht er fast mit einem Trainerauge. Er hat selbstverständlich auch Nachteile. Der Lebensstil hat ihm fünf Kilo Übergewicht gebracht, die ihn schon in seiner Leistung limitiert. Der nächste Nachteil ist, dass Trainer Martin auf seiner Seite haben muss, sonst gibt es großes Problem. Ähnlich, nur ein Level tiefer, ist Rybnicek. Also keine Arbeitsbereitschaft ist nicht das Problem der Nationalmannschaft. Der Gehorsam, das ist meiner Meinung nach falsches Wort. Ich interessiere mich nicht um brave Spieler. Ich weiß sogar, dass diese Leute bei mir Aggression abrufen. Ich arbeite gern mit spontanen und freien Menschen, die auf bestimmter Art unabhängig sind. Was ich allerdings bei den Spielern spüren muss, ist, dass sie sich dem gemeinsamen Ziel unterordnen können. Das habe ich auch als Spieler von meinen Mitspielern gefordert. In der Nationalmannschaft haben uns die Siege als Ziel zusammengeschweißt. Selbstverständlich hat jeder Akteur von diesem Drama andere Vorstellung über dem Weg zum Sieg, aber das ist daran eigentlich das Schöne. Daran kann es bei einem mutigen Trainer nicht hapern. Bei den verschieden Meinungen muss man Kompromisse machen, manchmal kann der Trainer kein Kompromiss machen und muss hart sein, manchmal geht er aus dem Weg, weil er spürt dass es für das Ergebnis besser ist. Was hat damit der Gehorsam zu tun?. Den Spielern ist klar, wer das Ding führt und wer sie realisiert. Wenn sie falsch geführt wird, streikt die Mannschaft entweder, oder sie fängt an zu verlieren. In der Regel geht der Trainer. Wenn sich die Spieler dem Ziel unterordnen und akzeptieren die Grundhierarchie, was hat damit der Gehorsam zu tun? Zum Siegen brauche ich nicht brave Spieler, sondern Kämpfer, die ihre Tätigkeit dem Sieg unterordnen. Ich versuche einige Erscheinungen, die mir gefehlt haben, auf den Punkt zu bringen:
· …..dass die Spieler sich konstruktiv nicht nur wegen dem guten Platz im Mannschaftsbus streiten können
· ……dass ein Spieler eine Meinung sagt, die nicht mit der Mehrheit abgestimmt ist, die aber seine wirkliche Meinung darstellt
· Dass einige Spieler sich mehr auf das Ergebnis fokussieren, statt die eigene individuelle Statistik zu beobachten
· Dass sie sich mehr über gemeinsame erfolgreiche als über seine eigene Aktion freuen könnten
· Dass sie mal auch bei einer Niederlage nicht Bier trinken gehen
· Dass sie stolz darauf sind, was sie von den anderen unterscheidet und nicht darauf, was sie gemeinsam haben
· Damit sie nicht verlieren, ohne den letzten Biss zu zeigen
· Dass sie auch mal nach dem Spielstand 0:2 3:2 gewinnen können – nicht nur einmal in zehn Jahren – Deutschland 2007
· Dass sie von den Stars das Positive lernen und uns das in Tschechien zeigen, vor Allem, wie man die Spiele gewinnen kann und nicht nur die Stars-Eskapaden
· Dass sie nicht nur an das Geld sonder an das Ergebnis denken, denn wenn das Ergebnis stimmt, kommt das Geld von alleine
· Dass sie nicht nur wegen dem niedrigeren Transfer für die Nationalmannschaft spielen wollen
Am 21. September Zdeněk Haník
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